18.03.2010
HSV: Nach BuLi-Enttäuschung Europa-Freuden?

Ruud van Nistelrooy soll den HSV ins Viertelfinale schiessen
Ernüchterung in der Bundesliga, Titel-Träume in der Europa League: Der Hamburger SV hat sich mit dem Rückenwind eines 3:1-Sieges zum Rückspiel gegen den belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht in Brüssel aufgemacht.
"Wir haben eine gute Ausgangsposition", stellte Nationalspieler Marcell Jansen vor der Partie klar und bemühte sich, nach der 2:4-Schlappe bei Bayer Leverkusen keine miese Stimmung aufkommen zu lassen. Die Hoffnung auf einen Champions-League-Startplatz in der nächsten Saison hat sich für den Tabellenfünften zwar zerschlagen, die Aussicht auf das Finale in der Europa League am 12. Mai im eigenen Stadion treibt die Mannen von Trainer Bruno Labbadia jedoch an.
Als würde es 0:0 stehen...
"Es ist das letzte grosse Ziel, das wir diese Saison noch erreichen können", betonte Angreifer Mladen Petric, an dessen Seite wohl wieder Hinspiel-Torschütze Ruud van Nistelrooy beginnen wird. Der Trainer selbst befürchtet "ein hartes Stück Arbeit" im bis zu 28.000 Zuschauer fassenden Constant Vanden Stock Stadion von Anderlecht, der drittgrössten von 19 Gemeinden im Hauptstadt-Gebilde Brüssel. "Wir müssen in die Partie gehen, als würde es 0:0 stehen", riet Kapitän David Jarolim.
Labbadia geht es vor allem um die Festigung seiner Abwehr. Gegen Leverkusen hatte sich die Hintermannschaft in beängstigendem Zustand präsentiert. "Wir werden nach der Niederlage nicht auseinanderfallen", sagte Labbadia trotzig und hofft auf ein positives Erlebnis in Belgien. Der 44-Jährige will sich nicht wie in Eindhoven mit einer knappen Niederlage (2:3) in die nächste Runde schummeln, sondern einen Sieg als Muntermacher und zur Stärkung des angeschlagenen Selbstvertrauens einfahren.
Anderlecht glaubt an seine Chance
Während sich der HSV durch die englischen Wochen mit einem Spitzenspiel nach dem nächsten hangelt, geniesst Anderlecht die geruhsame belgische Jupiler League. Am Sonntag endet die Vorrunde der Meisterschaft, fortan wird der Titel im Kreis der besten sechs Mannschaften ausgespielt. Als Tabellenführer mit zwölf Punkten Vorsprung vor dem Zweiten FC Brügge musste sich der 29-malige Titelträger im Meisterschaftsendspurt nicht verausgaben und konnte für den HSV Kräfte sparen.
"Entschieden ist noch nichts. Unsere Chance, das Viertelfinale zu erreichen, ist da", behauptete Anderlechts Stürmer Tom de Sutter. Trainer Ariel Jacobs hofiert den HSV selbstredend als "grossen Favoriten", schon weil die deutsche Liga ein anders Kaliber sei als die belgische, doch er plant eine Überraschung.
Mittelfeldspieler Mbark Boussoufa, der im Hinspiel verletzt fehlte, steht wieder zur Verfügung. Mit dem Marokkaner werde die Partie "eine ganz andere" sein, verkündete Jacobs geheimnisvoll. Wie man daheim mit europäischen Gästen umzugehen pflegt, hatte Anderlecht eine Runde zuvor gegen Spaniens Spitzenteam Athletic Bilbao demonstriert: 4:0 hiess es nach 90 Minuten.